|
Im „Opferland“ – Walter Kohl im „Fulda aktuell“- Gespräch |
|
Fulda aktuell: Was gab den Anstoß, was war die Hauptmotivation für Ihr Buch „Leben oder gelebt werden – Schritte auf dem Weg zur Versöhnung“?
Walter Kohl: Nach dem Freitod meiner Mutter und den Folgen der CDU-Spendenaffäre rund um meinen Vater geriet ich in eine existenzielle Krise. Über die Beschäftigung mit dem Wiener Psychologen Viktor Frankl, den Philosophen Seneca und den christlichen Glauben – ich nenne das mein persönliches Geo-Dreieck – habe ich versucht, Schritte auf dem Weg zur Versöhnung mit mir selbst und meinem Umfeld zu finden. Das Buch hat mich aus meiner inneren Sprachlosigkeit , dem eigenen „Opferland herausgebracht. Ich bin aus einer passiven in die aktive Rolle getreten.
Fulda aktuell: Welche Rolle hat Ihre Mutter in Ihrem Leben gespielt?
Walter Kohl: Sie war der Mittelpunkt meines Lebens, ihr Selbstmord die maximale Katastrophe für die Familie. Meine Mutter Hannelore hatte schon als Flüchtlingskind eine schwere Zeit durchzumachen, in der Spendenaffäre wurde sie von manchen als Kohls „Spendenhure“ tituliert. Ihr wurde das Gesicht, die Würde genommen.
Fulda aktuell: Sind Sie stolz „der Sohn vom Kohl“ zu sein ?
Walter Kohl: Mein Vater hat viel falsch, aber auch sehr viele Dinge richtig gemacht. Dazu zähle ich zum Beispiel den Nato-Doppelbeschluss, große Infrastrukturmaßnahmen als Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz,, die Wiedervereinigung Deutschlands und die Grundidee des Euro. Wie ich ihn in seiner Starrköpfigkeit einschätze, wird er die Namen der Spender mit ins Grab nehmen. Heute habe ich keine Probleme mehr mit ihm. Ich habe Frieden mit mir und auch mit ihm gefunden. Nach unserem Zwist im Jahr 2008 habe ich ihm – nicht zuletzt auch mit diesem Buch – die Hand zur Versöhnung entgegengestreckt. Nun warte ich darauf, dass er sie annimmt. (Quelle: Fulda Aktuell vom Samstag, 28.01.2012)
|