Bandscheibenvorfall der Lendenwirbelsäule

Nur ca. 5% der akuten Rückenschmerzen werden durch Bandscheibenvorfälle verursacht. Da ein Bandscheibenvorfall zu ca.95% aus Waser besteht und somit im Laufe der Zeit vom Körper resorbiert und abtransportiert wird, benötigen 90% aller Bandscheibenvorfälle keine Operation.

Wissenswertes

Informationen zu den häufigsten Krankheitsbildern in unserer täglichen Praxis

Bandscheibenvorfall der Lendenwirbelsäule

Wenn nach ca. 4 – 6 Wochen keine deutliche Besserung eintritt, sollte eine weiterführende Diagnostik erfolgen, um die eingeleitete Therapie eventuell zu ändern. Lähmungserscheinungen in Bein und Fuß oder Sensibilitätsstörungen gelten jedoch als Alarmsignale für einen Vorfall von schwererem Ausmaß. In vielen Fällen bietet hier nur die Operation einen langfristigen Ausweg aus der Situation.

Nicht jeder Bandscheibenvorfall muss sofort operiert werden. In der Regel reichen vernünftig geführte konservative Therapiemaßnahmen, bei Bedarf auch begleitend mit einer oralen Schmerzmedikation aus. In der Regel können die Beschwerden dadurch schnell zurückgehen und eine Bandscheibenoperation wird überflüssig. Im Anschluss sollten Sie mit einem Kräftigungsprogramm die Bauch- und Rückenmuskulatur durch spezielle Übungen stärken.

Im Vergleich zu den meisten Kliniken (mehr als 95% der operativ tätigen Wirbelsäulenabteilungen in Deutschland und Europa) bedeutet die Diagnose Bandscheibenvorfall bei uns keine große offene Rückenoperation mit langwieriger stationärer Rehabilitation mehr.

Sollte eine Bandscheibenoperation notwendig geworden sein, wurden bisher alle Bandscheibenvorfälle durch eine mikrochirurgische Bandscheiben OP durchgeführt.

Häufig auftretende Beschwerden

  • Starke Rückenschmerzen im unteren Bereich des Rückens, die bis ins Gesäß, Bein oder Fuß ausstrahlen und die eventuell durch Husten, Niesen oder Pressen verstärkt werden.
  • Zunahme der Beschwerden (Rücken- oder Beinschmerzen) beim Sitzen, Liegen und/oder beim Bücken
  • eventuell auch Gefühlsstörungen oder Lähmungserscheinungen in einem Bein
  • möglicherweise auch Kribbeln oder Taubheit an der Oberschenkelinnenseite sowie um den After und/oder unter einem Kontrollverlust beim Wasserlassen und/oder Stuhlgang

Das Beschwerdebild richtet sich vor allem danach, ob und in welchem Maße durch den Bandscheibenvorfall benachbarte Nerven eingequetscht werden. Deshalb müssen nicht alle genannten Symptome gleichzeitig auftreten.

Seltene auftretende Beschwerden

das sogenannte Cauda-Equina-Syndrom stellt einen wirbelsäulenchirurgischen Notfall dar!

  • Hierbei handelt es sich zumeist um einen sogenannten Massenvorfall, welcher den Spinalkanal komplett verlegt und somit die Nerven so stark komprimiert das keine Funktion mehr möglich ist.
  • Hierbei kann es zu komplexen Ausfallserscheinungen der Blasen- und/oder Mastdarmfunktion, Gefühlsstörungen – auch Reithose genannt (bis Taubheit) im Anal- und Intimbereich mit und ohne sexueller Funktionsstörung – nicht selten auch begleitet von Schmerzen und Lähmungen in den Beinen kommen.
  • Wenn hier nicht zügig, innerhalb 24 Stunden vom Auftreten der ersten Symptome, operiert wird, besteht eine große Gefahr bleibender Schäden, wie oben beschrieben. Die Prognose ist umso besser, je schneller die Entlastung der Nerven stattfindet.

Was ist ein Bandscheibenvorfall?

Die 23 Bandscheiben sind elastische, etwa 5 – 20 mm dicke Knorpelscheiben und liegen zwischen den Wirbelkörpern des Rückgrats. Sie bestehen zu über 90% aus Wasser. Ihre Hauptfunktion besteht darin, wie ein „Stoßdämpfer“ Stöße und Erschütterungen abzufangen. Des weiteren dienen Sie als Platzhalter zwischen den einzelnen Wirbelkörpern und schaffen somit Platz für die Nerven welche links und rechts von der Wirbelsäule austreten können. Im Zentrum der Bandscheibe befindet sich ein gallertartiger Kern (Nukleus), der von einem festen Ring aus Faserknorpel und Bindegewebe (Faserring / Anulus) umgeben ist. Bandscheibenvorfälle kommen sehr häufig vor. Im Extremfall kommt es bei einer ungünstgen Belastung der Bandscheibe (z.B. heben eines Wasserkastens) zu einem erhöhten Druck von Kernmaterial der Bandscheibe gegen den geschwächten Anulusringes, wobei dieser aufplatzen kann und somit das Nukleusmareial (Bandscheibe) austritt und gegen die Spinalnerven drückt (Ischias).

Es gibt vier Hauptursachen:

  • eine angeborene Schwäche des Bandscheibengewebes
  • eine plötzliche „Drehbewegung“ des Rumpfes
  • schweres Heben/Schieben
  • Durch Bewegungsmangel und ständiges Sitzen kann der hintere Teil der Bandscheibe „abgewürgt“ werden

Eine schlechte Muskelkondition kann das Risiko von Bandscheibenvorfällen zusätzlich vergrößern. Bei Bandscheibenvorfällen treten Anteile des Gallertkerns durch Risse im Faserring (Anulusruptur) in die Zwischenwirbelkörper oder den Wirbelkanal aus. Infolgedessen kann es zu einer Quetschung und Einengung (Kompression) des Rückenmarks oder der aus dem Rückenmark austretenden Nerven (Spinalnerven) kommen; in diesem Fall gesellen sich zu den akuten Rückenschwerzen neurologische Symptome im Versorgungsgebiet der betroffenen Nervenwurzel dazu.

Ursache ist meist eine lang andauernde Über- bzw. Fehlbelastung im Zusammenspiel mit Alterungsvorgängen der Bandscheibe (degenerative Bandscheibenschäden). Mitunter geht dem eigentlichen Bandscheibenvorfall eine Vorwölbung des Gallertkerns in den Faserring (Bandscheibenvorwölbung) voraus.

Wodurch werden Bandscheibenvorfälle im Bereich der Lendenwirbelsäule hervorgerufen?

Auf dem Boden einer Vorschädigung der Bandscheibe werden Bandscheibenvorfälle meist durch eine ruckartige Bewegung, wie z.B. eine plötzliche Drehbewegung oder schweres Heben bei gebeugtem Rumpf, ausgelöst; mitunter treten Bandscheibenvorfälle auch ohne äußeren Anlass auf.

In über 90 Prozent der Fälle entwickelt sich im unteren Bereich der Lendenwirbelsäule ein Bandscheibenvorfall, und zwar meist zwischen L4 und L5 bzw. zwischen L5 und S1. Seltener sind Halswirbelsäule und Brustwirbelsäule betroffen.

Wie wird behandelt?

  • Konservative Behandlung
    Im Idealfall genügt es, den Rücken etwa 2 bis 4 Tage lang zu schonen und die Schmerzen mit Medikamenten zu behandeln. Zur Stärkung von Rücken- und Bauchmuskulatur empfiehlt sich ein physiotherapeutisches Programm unter fachlicher Anleitung; begleitend können Wärmebehandlungen, Elektrotherapie und manuelle Therapie Linderung verschaffen. Je rascher man zu normalen Tagesaktivitäten zurückkehrt, desto rascher verschwinden auch die Rückenschmerzen.

    In hartnäckigen Fällen helfen kurzfristig auch ganz gezielte Injektionen von Betäubungsmitteln und Kortisonpräparaten neben die eingeengte Nervenwurzel (periradikuläre Infiltration) oder neben das Rückenmark (peridurale Infiltration). Bei schweren neurologischen Ausfallerscheinungen kann auch eine stationäre Behandlung mit Infusionen notwendig sein, die Kortison zur Abschwellung und Entzündungshemmung sowie Schmerzmittel enthalten.

  • Operative Behandlung
    Ein Bandscheibenvorfal kann konventionell, also klassisch offen von hinten unter Vollnarkose oder aber als endoskopische Bandscheiben OP in Lokalanästhesie operirert werden.